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Mehr Geschäftserfolg: Vier Auswege aus dem Einzelkämpfer-Dasein

Geschrieben von orgaMAX Redaktionsteam | 09.03.22 12:30

Viele Selbstständige und Inhaber kleiner Unternehmer sind geschäftliche Einzelkämpfer. Sicher: Auf die eine oder andere Weise haben die meisten zwar täglich mit Auftraggebern, Lieferanten und Dienstleistern zu tun. Und wer nicht gerade als Solo-Selbstständiger unterwegs ist, hat auch Mitarbeiter.

 

Alone again? Naturally!

Aber sobald es ans „Eingemachte“ geht, stehen Einzelunternehmer, Freiberufler und Selbstständige letztlich doch alleine da. Ohne die geringste Team-Unterstützung sind sie mit oft gravierenden Problemen konfrontiert. Denken Sie nur an ...

  • die Erweiterung oder Änderung von Geschäftsfeldern,
  • die Übernahme von Großaufträgen,
  • riskante Entscheidungen über größere Investitionen,
  • die Personalsuche und Mitarbeiterführung,
  • Auftragsflauten und Misserfolge,
  • psychische Probleme wie Versagensängste, Erschöpfung und Schlaflosigkeit oder auch „nur“
  • das gelegentliche Gefühl persönlicher Überforderung.

Führungskräfte und Entscheidungsträger finden bei solchen Anlässen in größeren Unternehmen passende Kommunikations-Plattformen, interne Meetings und andere Gesprächsrunden. Oder sie haben Anspruch auf externe Weiterbildungs-, Trainings-, Beratungs- oder Coachingangebote.

Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen hingegen leisten sich – wenn es hoch kommt – gerade mal einen Steuerberater. Viele noch nicht einmal den!

 

Drohende Verunsicherung und Vereinsamung

Die Folge: Wichtige Entscheidungen sind entweder gar nicht oder nur schlecht durchdacht. Vor allem aber bleiben geschäftliche Einzelkämpfer mit ihren persönlichen Sorgen und Nöten oft allein. Der vertrauensvolle Austausch mit Angehörigen und Freunden mag im Einzelfall zwar entlastend sein. Von echtem Erfahrungsaustausch kann mangels Vertrautheit des persönlichen Umfelds mit der Selbstständigen-Perspektive jedoch nur selten die Rede sein.

Abhilfe versprechen externe kommerzielle Dienstleister: Für professionelle Unterstützung durch richtig gute Berater, Trainer und Coaches fehlt Selbstständigen und Einzelunternehmern jedoch oft das nötige Kleingeld. Oder auch die Bereitschaft, für das eigene Wohlergehen Geld in die Hand zu nehmen, um mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen.

 

1. Berufs- und Branchenverbände

Erschwinglicher sind die Mitgliedschaften in klassischen Berufs- und Branchenverbänden. Neben ihren Informations- und Serviceangeboten ermöglichen manche Interessenvertretungen auch den Erfahrungsaustausch unter Mitgliedern sowie Unterstützung beim Umgang mit geschäftlichen Problemen.

Falls Sie nicht wissen, ob es passende Organisationen in Ihrem Bereich gibt, lohnt sich ein Blick auf folgende Seiten:

Tipp: Große Verdienste bei der Unterstützung und Interessenvertretung von Kleinunternehmern und Freiberuflern hat sich in den letzten Jahren zudem der rührige „Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland“ (VGSD) erworben.

 

Besonders bemerkenswert: Als einer der ganz wenigen branchenübergreifenden Business-Verbände konzentriert sich der VGSD auf die Belange von Selbstständigen und Kleingewerbetreibenden. Im VGSD werden zudem nicht nur geschäftliche „hard facts“ thematisiert, sondern auch weiche Themen wie zum Beispiel geschäftliche Fehlentscheidungen oder auch Angst vor Misserfolg und Scheitern.

 

2. Institutionalisierte Erfa-Gruppen

In manchen Branchen (vor allem im stationären Einzelhandel und im Handwerk) gibt es ganz spezielle Erfahrungsaustauschgruppen. In den „Erfa-Gruppe“ schließen sich nicht-konkurrierende Unternehmer unter Anleitung professioneller Berater zusammen und reden Klartext untereinander.

Auf der Agenda stehen nicht nur Betriebsbesichtungen und der Erfahrungsaustausch über Best-Practice-Beispiele oder bewährte Lösungsansätze. In vielen Erfa-Gruppen legen Inhaber und Geschäftsführer sogar ihre ...

  • Kalkulationen,
  • günstige Beschaffungsquellen,
  • bewährte Prozessoptimierungen,
  • Vertriebswege sowie nicht zuletzt ihre
  • betriebswirtschaftlichen Daten und Fakten offen.

Falls in Ihrer Branche oder in ihrem beruflichen Umfeld vergleichbare Angebote existieren, lohnt sich ein näherer Blick auf jeden Fall.

 

3. Personal Coaching und individuelle Beratung

Bei allem fachlichen Vertrauen und grundsätzlicher persönlicher Offenheit: Nicht jeder Selbstständige ist in der Lage, fachliche oder persönliche Defizite vorbehaltlos in solchen Runden zu bearbeiten. Allzu oft werden die eigenen Kompetenzen, die Auftrags-, Ertrags- und Gemütslage im Zweifel doch in einem eher positiven Licht dargestellt. Womit letztlich natürlich niemandem geholfen ist.

Hinzu kommt: Nicht jedes Problem, nicht jeder Klärungsbedarf passt in ein Verbandstreffen, an einen Unternehmer-Stammtisch oder zum professionellen Erfahrungsaustausch. Manchmal ist einfach eine persönlichere, „intimere“ Unterstützung sinnvoll.

Die muss ja nicht gleich in eine Psychotherapie münden: Unterstützung bieten professionelle Business- und Life-Coaches. Die versprechen zwar keine fertigen geschäftlichen Problemlösungen, helfen aber bei ...

  • der nüchternen Analyse der eigenen Lebens- und Arbeitssituation,
  • beim Erkennen und Auflösen bremsender Entwicklungs-Widerstände und Glaubenssätze,
  • einer realistischen Zielfindung und abrechenbaren Zielsetzung,
  • der Bewältigung der dazugehörigen Umsetzungsprozesse und damit
  • dem Ausschöpfen der persönlichen und geschäftlichen Potenziale.

So sinnvoll und zielführend Business- und Life-Coachings sein mögen: Für viele Selbstständige und kleine Unternehmer sind die Kosten eines professionellen „Personal Coachs“ zu hoch.

 

4. Selbsthilfe: Coaching auf Gegenseitigkeit

Die gute Nachricht: Die Grundzüge eines gelungenen Coachings lassen sich auch ohne professionelle Anleitung zum Nulltarif realisieren. So hat beispielsweise das US-amerikanische „Buddy System“ unter der Bezeichnung „Erfolgsteams“ längst auch in Deutschland Einzug gehalten.

Mit ihrem Bestseller „Wishcraft“ hatte die 2020 verstorbene Beraterin und Autorin Barbara Sher vor rund 60 Jahren die emanzipatorischen Prinzipien der Selbsthilfe-Bewegung in den Business-Sektor übertragen.

Die Idee dahinter waren keineswegs nur Sparsamkeit oder gar Knausrigkeit. Vielmehr ist wegen des gegenseitigen Ansporns die Bereitschaft zur Veränderung, deren Geschwindigkeit und Erfolg in vertrauensvollen und solidarischen Gruppen oft sogar höher als bei Einzelsitzungen zwischen Coach und Klient.

Aufrichtige Erfahrungsberichte und Lösungen der Beteiligten ...

  • wirken entlastend („Ich bin nicht allein: Es geht auch anderen Menschen so!“),
  • machen Mut, sich den eigenen Schwächen zu stellen,
  • bestärken darin, die eigenen Potenziale wahrzunehmen und auszuschöpfen,
  • sind inspirierend, weil sie machbare Alternativen und Lösungswege aufzeigen und
  • regen an, sich konkrete und realistische Ziele zu setzen!

Im einfachsten Fall ist Selbsthilfe-Coaching bereits dadurch erfolgreich sein, dass sich die Beteiligten gegenseitig wohlwollend, aber konsequent an zuvor selbst gesteckte Vorhaben und Ziele erinnern.

Lektüretipp: Das englischsprachige Original von Barbara Shers „Wishcraft“ gibt es als kostenlose PDF-Datei. Die deutsche Übersetzung von Dr. Gudrun Schwarzer trägt denselben Titel und kostet 18 Euro.

 

Erfolgsteams im Überblick

Ganz allgemein gesagt handelt es sich bei einem Erfolgsteam um eine Kleingruppe, deren Teilnehmer ...

  • sich bei regelmäßigen Treffen gegenseitig über persönliche, berufliche und / oder geschäftliche Herausforderungen informiert,
  • sich in vertrauensvoller und wohlwollender Atmosphäre bei der Zielfindung und Maßnahmenentwicklung unterstützen,
  • einander an zuvor gefasste Pläne und Ziele erinnern und
  • zusammen die erreichten Meilensteine und Erfolge feiern.

Wichtig: Die Gruppengröße ist meist auf vier bis sechs Teilnehmer begrenzt. Die zwei- bis dreistündigen Treffen finden alle zwei bis vier Wochen statt. Länger als einen Monat sollten die Abstände zwischen den Meetings nach Möglichkeit nicht sein. Anderenfalls staut sich zu viel auf, die Erfolgskontrolle einzelner Meilensteine ist nicht mehr sichergestellt und das Gefühl der Verbundenheit geht verloren.

 

Regeln und Sitzungsablauf

Als Voraussetzung für die Mitarbeit genügt die Bereitschaft ...

  • verbindlich an den Sitzungen teilzunehmen, die Regeln einzuhalten und Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen,
  • die besprochenen Inhalte der anderen Teilnehmer absolut vertraulich zu behandeln,
  • eigene Erfolgskriterien zu formulieren und die persönlichen Ziele ernsthaft anzustreben,
  • anderen Teilnehmer zuzuhören, sie zu respektieren,
  • auf Wunsch konkrete Anregungen zu geben sowie
  • auf Anforderung punktuelle Unterstützung zu leisten.

Damit sämtliche Beteiligten zu ihrem Recht kommen, haben alle Teilnehmer denselben zeitlichen Anspruch auf Aufmerksamkeit.

 

Gleichberechtigtes Runden-Prinzip

Um folgenloses Palaver und unstrukturierte Diskussionen zu unterbinden, findet der Austausch überwiegend in Form von Gesprächsrunden statt. Dabei achtet ein zuvor bestimmter Moderator darauf, dass Ablauf und Redezeiten eingehalten werden. Die Leitungsverantwortung wechselt bei jedem Treffen.

Ein typisches Erfolgsteam-Meeting besteht aus den folgenden Runden:

  • Bei einem kurzen Blitzlicht äußern die Teilnehmer reihum ihre aktuelle Befindlichkeit. Die pro Person ein- bis zweiminütige Einstiegsrunde dient dazu, die Aufmerksamkeit und Konzentration zu bündeln und anzukommen.
  • Während einer pro Person fünfminütigen Auswertungsrunde berichten die Beteiligten, wie es ihnen seit dem letzten Treffen ergangen ist, welche Ziele sie erreicht haben, welche Vorhaben gescheitert und welche ganz hinten runtergefallen sind. Kritisch-konstruktive Nachfragen anderer Teilnehmer sind erwünscht – Abwertungen, Vorwürfe und andere negative Reaktionen hingegen nicht.
  • Schwerpunkt der Erfolgsteam-Sitzungen bildet die folgende Arbeitsphase: Jeder Teilnehmer hat ca. 15 bis 20 Minuten Zeit, um die eigene Lage zu schildern, Probleme zu analysieren und von den anderen Teilnehmern Feedback in Form von Nachfragen, Erfahrungsberichten, Empfehlungen oder Lösungsvorschlägen einzuholen. Bei Bedarf können Kreativ- und Problemlösungs-Techniken eingesetzt werden. Ergebnis der Arbeitsphase sollten möglichst konkrete Schritte sein.
  • In einer pro Person rund fünfminütigen Abschlussrunde fassen alle Teilnehmer ihre „Hausaufgaben“ in Form eines konkret abrechenbaren Ziel- und Maßnahmenpakets zusammen – einschließlich der eventuell gewünschten Unterstützung durch andere Teilnehmer. Die gefassten Beschlüsse werden schriftlich festgehalten und nach der Sitzung auch allen anderen Teilnehmern zugänglich gemacht. In der Auswertungsrunde zu Beginn des nächsten Treffens können die angestrebten Meilensteine dann abgefragt werden.

Sie sehen: Das Prinzip von „Erfolgsteams“ ist recht einfach. Langwierige Einführungen oder gar Schulungen sind nicht erforderlich. Mit ein wenig Zeit- und Selbstdisziplin, gegenseitiger Rücksichtnahme, Wertschätzung und Unterstützungsbereitschaft lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten.

 

Weiterführende Literatur und Unterstützung

Wie Sie ein geschäftliches Erfolgsteam zusammenstellen, was in den einzelnen Erfolgsteam-Phasen zu beachten ist und wie Sie mit Konflikten umgehen, können Sie in Barbara Shers „Wishcraft“ nachlesen. Ulrike Bergmann hat das Prinzip vor 20 Jahren in Deutschland in ihrem nach wie vor lesenswerten Buch „Erfolgsteams“ bekannt gemacht.

Zusatztipp: Wer sich die Gründung eines Erfolgsteams in Eigenregie nicht zutraut, kann sich von erfahrenen „Erfolgsteamleiter/innen“ unterstützen lassen. In Berlin wird das Modell sogar als preiswerter Volkshochschul-Kurs angeboten.

Bitte beachten Sie: Erfolgsteams und ähnliche Selbsthilfekonzepte sind einfache und bewährte Instrumente für mehr Lebens- und Geschäftserfolg. Als Ersatz für ärztliche und therapeutische Behandlungen von psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen eignen sie sich jedoch nicht!

 

Lektüretipps

Weiterführende Informationen zur betrieblichen Praxis von Selbstständigen und kleinen Unternehmen finden Sie im orgaMAX-Blog und im Newsletter-Archiv: